Die Ordnung der Vergangenheit
Antike, Mittelalter, Neuzeit — Periodisierungen sind so selbstverständlich, dass wir sie selten hinterfragen. Doch jede Grenze ist eine Entscheidung, und jede Entscheidung eine These.
Verstehen ist keine Fertigkeit unter anderen. Es ist die Weise, in der wir überhaupt in einer Welt sind — und darum bleibt die Hermeneutik das schwierigste Handwerk der Geisteswissenschaften.
Antike, Mittelalter, Neuzeit — Periodisierungen sind so selbstverständlich, dass wir sie selten hinterfragen. Doch jede Grenze ist eine Entscheidung, und jede Entscheidung eine These.
Der Roman gilt als moderne Form schlechthin. Doch was ihn modern macht, ist weniger sein Gegenstand als seine Art, mit Zeit umzugehen.
Kunstgeschichte ist nicht nur die Geschichte des Sehens, sondern die Geschichte dessen, was Bilder wissen — und was sie uns über ihre Zeit hinaus zu sagen haben.
Die Lehre vom Verstehen — ursprünglich der Auslegung heiliger und juristischer Texte, später die Grundwissenschaft aller Geisteswissenschaften.
Eine Denkweise, die den Widerspruch nicht meidet, sondern zum Motor der Erkenntnis macht.
Die Bewegung des 18. Jahrhunderts, die den Menschen zur eigenständigen Vernunftgebrauch aufrief — und ein Selbstverständnis prägte, das bis heute umstritten ist.
Die Epoche, die sich selbst als Bruch mit der Vergangenheit versteht — und deshalb schwer datierbar bleibt.
Eine Bildungsbewegung, die im 15. Jahrhundert begann und das Bild des Menschen bis heute prägt.
Eine Denkbewegung des 20. Jahrhunderts, die menschliche Phänomene aus den Strukturen erklärt, in denen sie stehen — nicht aus Absichten der Handelnden.
Die älteste der Geisteswissenschaften — und die einzige, die sich selbst zum Gegenstand macht.
Die Wissenschaft von der zeitlichen Erfahrung des Menschen — kritisch, quellengebunden, immer auch politisch.
Die Wissenschaft der literarischen Texte — ihrer Formen, ihrer Geschichte, ihrer Wirkung.
Die systematische Erforschung menschlicher Sprache in ihrer Struktur, Vielfalt und Geschichte.
Die historische und interpretierende Wissenschaft vom Bild — vom Werk, vom Sehen, von der visuellen Kultur.
Eine junge, interdisziplinäre Wissenschaft — von symbolischen Ordnungen, kulturellen Praktiken und ihrer Geschichte.
Die vergleichende, historische und systematische Erforschung religiöser Traditionen — ohne konfessionelle Bindung.